Powder-Mad-Chroniken: Ushguli-Wahnsinn tief im georgischen Backcountry

Der Tag begann standesgemäß: ein großartiges Frühstück in Ninos Guesthouse und türkischer Kaffee, der Tote hätte wecken können. Mit unserem furchtlosen Guide Goga quetschten wir uns in die Minibusse. Die Strecke nach Ushguli konnte man nur mit viel Wohlwollen Straße nennen. Der Ort gehört zu den höchstgelegenen dauerhaft bewohnten Siedlungen Europas. Nach 40 km kurviger Bergstrecke waren wir da: Felle aufziehen, Yoga-Dehnübungen und noch ein paar Freundschaften mit den Dorfhunden schließen. Dann begann das eigentliche Abenteuer.
Es war kalt, aber wir starteten entschlossen eine steile Schattenflanke hinauf und machten 350 Höhenmeter, während der markante Ushba auf der anderen Talseite über uns wachte. In die Sonne zu kommen fühlte sich an wie Auftauchen. Zeit für einen Snack aus dem Basar von Kutaissi: Fruchtleder und Nüsse. Schließlich gehört etwas Ungewöhnliches zum Kauen doch zu jeder Tour!
Beim Verschnaufen glitzerte das Gelände in der Sonne. Gerade glaubten wir, allein in der Wildnis zu sein, da zogen ein paar italienische Skitouren-Rennmaschinen vorbei, als kämen sie zu spät zum Espresso. Wir stiegen weiter, die Hänge wurden steiler. Nach einer langen Querung kam der letzte Anstieg. Oben öffnete sich ein breiter, flacher Grat, mit unverspurten Nordabfahrten wie einer Einladung.
Die Aussicht? Unwirklich. In der Ferne stand der Schchara mit 5.201 m, umgeben von Hängegletschern und gewaltigen Gipfeln. Doch wir waren nicht nur zum Schauen da: schnell umrüsten und hinein in seidigen, unberührten Powder, genau die Bedingungen, die wir suchen. Goga beobachtete die Schneedecke und führte uns einzeln durch die ersten 400 Abfahrtshöhenmeter. In einem sicheren Bereich sammelten wir uns für den nächsten Hang.
Jetzt waren Jamie und die Drohne dran. Diese Abfahrt musste festgehalten werden. Einer nach dem anderen zog durch perfekten Schnee, 600 Höhenmeter im hochalpinen Gelände bis zur Baumgrenze. Dort wurde es enger, technischer und ein bisschen surreal. Überall Birken: durch ein Labyrinth fahren, Ästen ausweichen und gelegentlich einen Baum umarmen, bis hinunter zum Talboden.
Unten wurde das Mittagessen zum Festmahl: geräucherte Rippchen, Fruchtleder, Nüsse und alles, was wir sonst auf dem Basar gefunden hatten. Mit brennenden Beinen und bester Stimmung fellten wir über flaches Gelände zu einem Gästehaus. Die kalten Biere im Kühlschrank wirkten wie eine Oase. Noch anderthalb Stunden im Bus nach Mestia, lachend und jeden Schwung erneut durchlebend.
Wieder ein echter Powder-Mad-Tag. Georgien hat erneut geliefert.
